Praxisanwendung der 3D-Hangmurensimulation zur Bestimmung der Einwirkungen

Mit Hilfe einer frei verfügbaren numerischen 3D-Simulationssoftware für Hangmuren und Murgänge kann die fachliche Beurteilung der Auslösezone und der Materialzusammensetzung samt Wassergehalt in den simulierten Fliessprozess und Anprall einfliessen.

Seit den Hochwasserereignissen von 2005 hat sich der Blick auf die Naturgefahr Hangmuren verändert. Die umfassende Erfassung von Hangmurenereignissen und die Bereitstellung der Daten für Forschung und Praxis, wie z. B. durch die Hangmurendatenbank der WSL, hat zu einer breit aufgestellten Weiterentwicklung der Gefahrenbeurteilung geführt. Zu den innovativen Bereichen zählt auch die bisherige Entwicklung im Objektschutz, beispielsweise mit Schutznetzen. Um die Wirkung von Objektschutzmassnahmen zu beurteilen, muss die Einwirkung der Hangmure bestimmt werden. Eine erste Abstufung erfolgt auf der Grundlage von Intensitäten. Um Objektschutzmassnahmen festlegen zu können, muss jedoch schlussendlich die Einwirkung in bezüglich Fliessgeschwindigkeiten, Fliesshöhen und Dichte definiert werden, damit die Anpralldrücke und Einwirkungsbereiche bestimmt werden können. Es zeigt sich, dass die heutigen Kriterien der Hangmurenintensität (vgl. BAFU 2016) umstritten sind, da die zu Grunde gelegten Grössen aus Anrisshöhe und Ablagerungsmächtigkeit nicht ohne Weiteres im Zusammenhang mit der Einwirkung in Form von Anpralldrücken und Fliesshöhen stehen. Die Praxis erstellt diesen fehlenden Zusammenhang durch erfahrene Spezialisten, die wiederum auf eine gute Ereignisdokumentation zurückgreifen. Grössenordnungen für die Frontfliessgeschwindigkeit und Fliesstiefe haben sich in der Praxis etabliert und sind anhand von Schadensbildern und zurückgerechneten Anpralldrücken und Geschwindigkeiten an Gebäuden überprüft worden.

INGENIEURBIOLOGIE, Mitteilungsblatt 3/20
Praxisanwendung der 3D-Hangmurensimulation zur Bestimmung der Einwirkung

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